Auf dem Weg zur Early Excellence-Zertifizierung

Einer der wichtigsten Merkmale des Early Excellence-Ansatzes ist die Vernetzung im Sozialraum. Dies setzt einen intensiven Austausch und Kommunikation auf Augenhöhe voraus. Wie erfolgreich und vor allem nützlich für Familien und auch Institutionen ein aufgebautes Netzwerk sein kann, davon berichtet der Pädagoge Carsten Schulz.

Ein Erfahrungsbericht aus der Kita Adalbertstraße (Berlin-Kreuzberg)
Im vergangenen Jahr haben wir uns auf den Weg gemacht und nach längerer Praxis jeweils durch eec-Deutschland zertifizieren lassen. Elf Jahre zuvor hatte unser Träger Kotti – Nachbarschafts- und Gemeinwesenverein am Kottbusser Tor e.V. den Early Excellence-Ansatz mit Inhouse-Teambegleitungen eingeführt und in den Folgejahren in unseren Kitas engagiert umgesetzt.

Mittlerweile sind wir in der Kita Adalbertstraße gut mit Institutionen und Projekten im Stadtteil vernetzt und teilen das Engagement für die Belange unserer Familien. Besonders eng arbeiten wir mit dem Kinder- und Jugendgesundheitsdienst und den Sprachlehrern des Sprachberaterteams Friedrichshain–Kreuzberg zusammen, die unserer Kita als vertrauensvolle Ansprechpartner für die Eltern zur Verfügung stehen.

In dieser Zeit hat sich das Selbstverständnis der pädagogischen Fachkräfte als aktive Entwicklungsbegleiter der Kinder in enger Erziehungspartnerschaft mit den Eltern, mit kontinuierlicher, wertschätzender Unterstützung des Jungendamtes, der „Werkstatt Interkultureller Bildung“ und nicht zuletzt der Heinz und Heide Dürr Stiftung weiter entwickelt. Auch gibt es eine jahrelange, engagierte Zusammenarbeit mit der Mittelpunktbibliothek am Kottbusser Tor, die mittlerweile sehr stark von unseren Familien genutzt wird.

Im Zertifizierungsprozess haben wir die pädagogischen Strategien für die intensive Reflektion unserer Arbeit genutzt. Gemeinsam im Team wurde unser Raum- und Materialangebot, unsere Beobachtungspraxis und die Qualität unserer pädagogischen Angebote sowie deren Dokumentation überprüft und angepasst.

Wir haben weitere Schritte zur Verankerung des Early Excellence-Ansatzes unter unseren Eltern beschlossen. Neben den jährlich stattfindenden Einführungsveranstaltungen zum EE- Ansatz (zu den pädagogischen Strategien und zum Beobachtungssystem EE) insbesondere für unsere neuen Eltern, haben wir festgelegt, auf unseren Bezugselterntreffen jeweils eine pädagogische Strategie den Eltern vorzustellen bzw. wieder ins Gedächtnis zu rufen. Die jeweilige Strategie wird zu Beginn der Treffen auch anhand von Fotos unserer Kinder vorgestellt und diskutiert. Im zweiten Teil der Treffen werden aktuelle Fragen und Themen der Eltern behandelt. Schon in Vorbereitung der Elterntreffen wird jeweils die „aktuelle Strategie“ in einem gut sichtbaren Bereich auch mit Fotomaterial und Erläuterungen dazu vorgestellt.

Die gemeinsame Erarbeitung der Teameinschätzung hat die Einarbeitung, Einbeziehung und Qualifizierung unserer neuen Fachkräfte im Teamprozess stark unterstützt. Aufbauend auf einer von unserem Träger organisierten internen Einführung zum Beobachtungssystem EE brachten sich unsere drei neuen Fachkräfte aktiv in die Diskussion ein und leisteten wertvolle Beiträge zur Überprüfung und Weiterentwicklung unserer Praxis.

In nächster Zeit wollen wir das Sustained Shared Thinking als sehr geeignete Methode der dialogorientierten Kommunikation mit den Kindern im Team verstetigen und die Themen Inklusion und Partizipation insbesondere in der Arbeit mit den kleineren Kindern konzeptionell weiterbearbeiten.

Wir werden in unserer Rolle als Family Worker zunehmend mit Krisen eines Teils unserer Familien konfrontiert, die ein besonderes Teamcoaching erfordern. Wir wollen hierbei konkret an der Umsetzung der pädagogischen Strategien in der Zusammenarbeit mit den Familien arbeiten, uns näher mit ihren Lebensumständen auseinander setzen und uns dabei mehr und mehr unserer eigenen Wertebasis bewusst werden. So können wir auch die eigene Praxis in der Zusammenarbeit mit den Familien kritisch reflektieren und gegebenenfalls verändern.

Carsten Schulz, Leiter der Kita Kotti e.V.